23.01.2018: Kinderarmut in Viernheim

Nathalie Burkert, Tom Tarchanow und Daniela Galic (von links)


Kinderarmut in Viernheim

Eltern sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Kinder – wie kann ihnen am besten geholfen werden?

Warum kommen Hilfen und Unterstützungsangebote für Familien in schwierigen Lebenssituationen nicht an, obwohl sie vorhanden sind? Welche Hürden gilt es hier zu überwinden – und wie sieht eine gelingende Unterstützung aus? Um diese Fragen kreisten eine Fortbildung für Erzieher/innen und eine Vortragsveranstaltung am Dienstag, 23.01.2018 in der AWO-Kindertagesstätte Kinderdörfel.

Im Foyer der Einrichtung kamen die Besucher/innen der Vortragsveranstaltung zunächst in kleinen Gruppen miteinander darüber ins Gespräch, was sie mit Kinderarmut verbinden und was sie an dem Thema interessiert. "Wir befassen uns zusammen mit den Viernheimer Jusos seit mehr als einem Jahr intensiv mit diesem Thema", berichtete später die AWO-Vorsitzende Jutta Schmiddem, "und wir sind froh mit Frau Galić von der Universität Frankfurt eine kompetente Referentin gefunden zu haben." Schmiddem dankte der Bürgerstiftung Viernheim, der Viernheimer SPD und Herrn Horst Winkenbach für deren großzügige finanzielle Unterstützung der Vortragsveranstaltung.

Die Diplom-Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Nicola Galić berichtete über die zentralen Ergebnisse der Studie "Kinder. Armut. Familie. Alltagsbewältigung und Wege zu wirksamer Unterstützung" aus dem Jahr 2015 (Universität Frankfurt / Bertelsmann Stiftung). "Wir haben Familien in prekären Lebenslagen und Fachkräfte aus Ämtern und Hilfeinstitutionen interviewt und sind dabei zu ganz interessanten Ergebnissen gekommen", so die Referentin. "Bei den Eltern steht die Sorge für das Wohlergehen ihrer Kinder im Zentrum, zum Beispiel für die Gesundheit ihrer Kinder, ihre Ernährung oder ihre Bildung – und dafür stellen sie oft ihre eigenen Bedürfnisse zurück.

Die Mütter und Väter wollen ihren Kindern etwas bieten, ein Vorbild sein und zeigen, wie das Leben läuft. Obwohl sie dabei keine überzogenen Erwartungen an den Tag legen, scheitern ihre Vorstellungen von einem guten Familienleben leider oft an Begrenzungen im finanziellen Bereich." Anhand von Interviewausschnitten machte Galić deutlich, mit welchen Schwierigkeiten Familien in prekären Lebenslagen zu kämpfen haben, aber auch, worauf es ankommt, damit Unterstützungsangebote gelingen können:


Bürgermeister Matthias Baaß stellte im Anschluss an den Vortrag den Bezug zur Situation in Viernheim her: "Am wirksamsten könnten wir helfen, wenn eine Fachkraft auf dem Rathaus, die die Familien persönlich kennt, über die erforderlichen Leistungen entscheiden könnte – sozusagen aus einer Hand. Aber leider sind die Kompetenzen zwischen verschiedenen Institutionen verteilt, und uns fehlen deshalb oft wichtige Informationen." Der Bürgermeister regte daher die Gründung einer kommunalen Steuerungsgruppe an, um Kinderarmut in Viernheim wirksam zu bekämpfen.

Am Ende der anschließenden Diskussion, die von Nathalie Burkert (Vorsitzende der Viernheimer Jusos) und Tom Tarchanow (Vorsitzender des AWO-Kindergartenausschusses) geleitet wurde, kündigte Tarchanow an, dass sich die Veranstalter/innen die Beiträge des Abends zum Ausgangspunkt für ihre weiteren Aktivitäten zur Bekämpfung der Kinderarmut machen werden.

Presseberichte über die Veranstaltung:

Viernheimer Nachrichten vom 25.01.2018
Südhessen Morgen vom 26.01.2018
Viernheimer Tageblatt vom 26.01.2018 [501 KB]

Links zum Thema:

Internetseite der Bertelsmann Stiftung
Projektseite der Universität Frankfurt
Thementag HR2 Kultur vom 12.05.2015

Download Präsentation Vortrag: Bitte hier klicken [1.227 KB]




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