30.03.2017: Elternworkshop zur Mehrsprachigkeit

Sylwia Maruszczak referierte zur Mehrsprachigkeit


Öffentlicher Elternworkshop in der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße zum Thema Mehrsprachigkeit

Expertin des Zentrums für Entwicklung und Lernen Sylwia Maruszczak referierte

Am 30. März 2017 hatte die AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße um 19.00 Uhr zu einem öffentlichen Elternworkshop zum Thema Mehrsprachigkeit eigeladen.

Offene Grenzen, Urlaubs-, Arbeits- oder Studienaufenthalte im Ausland sowie die Anwesenheit von Migranten und Flüchtlingen lassen die Zahl binationaler Partnerschaften immer weiter steigen. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Kinder in Deutschland zu, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen. Nach Angaben des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften e. V. hatten über 22 Prozent aller Kinder, die 2013 in Deutschland geboren wurden, einen "Migrationshintergrund". Das heißt, dass wenigstens ein Elternteil ausländisch ist. Das heißt aber auch, dass Mehrsprachigkeit für fast ein Viertel der in Deutschland lebenden Kinder zum Alltag gehört. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich aktuell auch in der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße. Gut ein Drittel aller dort betreuten Kinder wächst mehrsprachig auf.

Von Kindesbeinen an mit zwei oder auch mehreren Sprachen aufzuwachsen, wird von den meisten Betroffenen als eine Bereicherung empfunden. Denn so leicht wie im Kindesalter lernt man später keine Fremdsprache mehr. Zudem werden über die Sprache auch Werte, Traditionen und Verhaltensregeln vermittelt, so dass ein Kind, das zweisprachig aufwächst, im Idealfall auch den sicheren Umgang mit zwei oder auch mehreren Kulturen erwirbt. In der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße wird daher seit Jahren mit gutem Erfolg für 3 Kleingruppen mit aktuell insgesamt 42 Kindern eine täglich stattfindende Englisch-AG angeboten. Das Angebot ist für die Eltern kostenlos.

Dennoch betrachtet man in Deutschland den kindlichen Mehrsprachenerwerb oft noch mit Skepsis. So wird häufig angenommen, dass eine mehrsprachige Erziehung die Kinder überfordern und ihre Entwicklung beeinträchtigen könnte. Denn wer mit zwei Sprachen aufwächst, so ein lange gehegtes Vorurteil, sei in keiner von beiden richtig zu Hause.

Sprachwissenschaftliche Untersuchungen belegen dagegen, dass Kinder in der Regel keine Probleme damit haben, zwei oder mehrere Sprachen gleichzeitig zu erlernen. Ganz im Gegenteil: Die menschliche Sprachfähigkeit ist eine Anlage zur Mehrsprachigkeit. Forschungsergebnisse belegen, dass bereits bilingual aufwachsende Zweijährige wissen, über zwei Sprachsysteme zu verfügen. Sie belegen zudem, dass die Kinder ohne Probleme von der einen in die andere Sprache wechseln und beim Sprechen nicht mehr Fehler machen als Kinder, die monolingual aufwachsen.

Im Rahmen des Elternworkshops, der in Kooperation mit dem Zentrum Entwicklung und Lernen in Heidelberg organisiert wurde, ging die Expertin des Zentrums für Entwicklung und Lernen, Frau Sylwia Maruszczak, zunächst auf die individuellen Fragen der zahlreichen Teilnehmer ein und gab in diesem Zusammenhang grundsätzliche Informationen und pragmatische Tipps für die mehrsprachige Erziehung.

Auch wenn Kindern die Mehrsprachigkeit gleichsam in die Wiege gelegt ist, sollten Eltern bei der Erziehung einige Dinge beachten. Am einfachsten umzusetzen ist dabei die Strategie "Eine Person – eine Sprache". Jedes Elternteil sollte mit dem Kind, wenn möglich, in seiner jeweiligen Muttersprache sprechen. Zudem sollte innerhalb der Familie die Nicht-Landessprache als "Familiensprache" gewählt werden, um zu gewährleisten, dass das Kind mit beiden Sprachen gleich häufig in Berührung kommt. Doch sollte man dabei die rein quantitative Frage des sprachlichen "Inputs" nicht überbewerten. Denn Sprechen lernen hat auch eine affektive Seite: Wenn Kinder merken, dass sie mit ihrer Zweitsprache nicht gut ankommen – etwa im Kindergarten oder im Freundeskreis – lehnen sie diese Sprache ab.

Den Königsweg zur perfekten Zwei- oder Mehrsprachigkeit hat man freilich noch nicht gefunden. Zwar hat sich die genannte "Eine Person – eine Sprache"-Strategie bewährt. Doch können hier auch andere Varianten zum Ziel führen, wobei Untersuchungen jedoch den Schluss nahe legen, dass Kinder mit der Zweisprachigkeit besser zurechtkommen, wenn sie "vorstrukturierte Sprechsituationen" erleben, die ihnen Orientierung bieten: Wenn sie sich zum Beispiel darauf verlassen können, vormittags immer Deutsch zu sprechen und nachmittags etwa Spanisch. An eine vollkommene Beherrschung von zwei Sprachen in allen Bereichen menschlichen Lebens ist dabei nicht gedacht. Zu welcher Art von Zweisprachigkeit ein Kind gelangt, hängt hauptsächlich von den Bedingungen ab, unter denen zweisprachiges Lernen stattfindet.

Allgemein gültige Grundsätze:


Presseberichte über den Elternworkshop:

Viernheimer Nachrichten vom 03.04.2017
Viernheimer Tageblatt vom 04.04.2017 [608 KB]




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