30.01.2018: Vortragsabend mit Dr. Jan-Uwe Rogge

Jutta Schmiddem, Dr. Jan-Uwe Rogge, Thomas Sebert (von links)


Was Kinder und Jugendliche heute brauchen

Gut besuchter Vortragsabend der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße

Mit dem bundesweit bekannten Familientherapeuten Dr. Jan-Uwe Rogge hat die AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße ihre Serie mit öffentlichen Vortragsabenden im Kalenderjahr 2018 fortgesetzt. Im mit über 200 Gästen restlos ausverkauften kleinen Saal des Bürgerhauses begrüßte zunächst die AWO-Vorsitzende Jutta Schmiddem die Gäste. Im Anschluss daran bedankte sich Thomas Sebert, Leiter der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße, bei der Sparkassenstiftung Starkenburg für die finanzielle Unterstützung des Vortragsabends. Dadurch konnten die Eintrittspreise niedrig gehalten und ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden. Bei der Buchhandlung "Schwarz auf Weiß" bedankte er sich für die Organisation eines Büchertischs mit den Veröffentlichungen des Referenten.

Für die zukünftigen Vortragsabende, die immer donnerstags um 20.00 Uhr im Turnraum der Kindertagesstätte stattfinden und für alle Interessierten offen sind, wünschte sich Sebert einen ähnlich guten Besuch wie an diesem Abend. Das gesamte Vortragsprogramm 2018 zu pädagogischen Themen mit interessanten Referentinnen und Referenten wird demnächst veröffentlicht. Nach einigen organisatorischen Hinweisen übergab Sebert an Dr. Rogge.

Wer dabei einen trockenen Vortrag erwartet hatte, war nach wenigen Minuten sehr überrascht. "Stellen Sie sich vor, auf der Stirn Ihres pubertierenden Kindes stünde: Wegen Umbau geschlossen". Mit Metaphern wie dieser und Imitationen pädagogisch hyperaktiver Eltern sowie trotziger Kinder brachte Rogge sein Publikum im Bürgerhaus zum Lachen. Dabei zeigte er den über 200 Zuhörern deutlich: "Erziehung macht Spaß". Der Familientherapeut bringt ernste Themen mit süffisantem Humor und einem Augenzwinkern rüber. Auch im Bürgerhaus kringelten sich die zuhörenden Mütter und Väter vor Lachen.

Hinter den Fassaden familiärer Harmonie lauert das Grauen. Kleine Monster, heranwachsende Quälgeister und pubertierende Terroristen sind anscheinend einzig und allein nur aus einem Grund auf die Welt gekommen: Sie wollen ihre Eltern an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus bringen. Nein, so spricht kein Kinderhasser. So spricht einer, der nicht nur selbst Kinder und Enkelkinder hat, sondern sie sogar zu seinem Beruf gemacht hat. Rogge ist Familientherapeut. Was er in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat, füllt nicht nur Bücher, sondern auch die Säle von Kleinkunstbühnen. Wenn er nämlich nicht in seiner Praxis oder vor der Schreibmaschine sitzt, steht er auf der Bühne und macht Erziehungskabarett.

Süffisant hält Rogge seinen Zuhörern den Spiegel vor: "Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als ihr noch keine Kinder hattet?", fragt er diebisch grinsend. Die meisten der vor ihm sitzenden Eltern fühlen sich ertappt. "Natürlich wolltet ihr alles anders und alles besser machen, als es eure Eltern getan haben." Zustimmendes Nicken. Doch jede Generation an Eltern macht die Rechnung ohne den Wirt: das Kind. "Habt ihr auch so eine dreizehnjährige Kröte zuhause?" Wieder dieses schadenfrohe Grinsen. Wieder zustimmendes Nicken. Rogge hat sie in unzähligen Sitzungen vor sich gehabt: Eltern von kleinen Kindern, Eltern von Pubertierenden. Was sie durchmachen müssen, erfüllt den Tatbestand der Beleidigung, der seelischen Grausamkeit, des Mobbings und des Psychoterrors.

Doch während Rogge von pädagogischen Zombies, homöopathisch bekifften Kindern oder Müttern, die Erziehung mit Yoga verwechseln, sprach, gab er auch wertvolle Tipps. "Dann drehen Sie halt mal durch. Seien Sie authentisch." Doch dafür solle der Vater oder die Mutter auch akzeptieren, wenn das Kind einmal durchdrehe. Selbst wenn der Sohn in der Trotzphase bei "Lidl" an der Kasse auf dem Boden liege oder in der Pubertät von der Polizei betrunken nach Hause gebracht werde, sollen Eltern zu ihrem Kind stehen.

Auch für diejenigen, die jeden Tag den pädagogischen Oscar verliehen bekommen wollen, hatte Rogge einen Rat: "Seien Sie demütig und akzeptieren Sie, was Sie nicht können." Er stellte sich auch auf die Seite der Kinder, die heute nicht mehr aufräumen, sondern richtig aufräumen sollen und sich gegen ständig diagnostizierende Eltern wehren müssen.

So köstlich Rogges Erziehungskabarett auch ist, es hat einen ernsten Hintergrund. "Das einzige, was bei einer Erziehung sicher ist, ist die Gewissheit, dass es völlig unsicher ist, wie sie ausgeht." Diese Erkenntnis sollte eigentlich ausreichen, verhärtete Fronten aufzuweichen, tut sie selbstverständlich aber nicht. Was aber auch nicht schlimm ist. Denn Kinder sind, das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis, die der Familientherapeut vermittelt, das Schönste, was man sich wünschen kann.

In der Pause und nach dem Vortrag war der Andrang groß, um die Bücher von Jan-Uwe Rogge signieren zu lassen oder ein gemeinsames Selfie zu machen. In der Pause hatten die Gäste die Möglichkeit Fragen auf Kärtchen zu schreiben, die Jan-Uwe Rogge im zweiten Teil der Veranstaltung in der beschriebenen Manier beantwortete. Die Zuhörer waren sich einig: Es war ein lehrreicher und lustiger Abend und eine tolle Gruppentherapie für Eltern mit Pubertierenden.

Presseberichte über den Vortragsabend:

Südhessen Morgen vom 01.02.2018
Viernheimer Tageblatt vom 01.02.2018 [635 KB]
Viernheimer Nachrichten vom 03.02.2018




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